Freitag, 26. Oktober 2012

Nachbetrachtung


Wenn ich mir meine nur etwas kurze "Via Coloniensis" rückblickend betrachte, dann sind "zwei Seelen ach in meiner Brust"! Zum einen bin ich in der Zwischenzeit ein wenig wehmütig, weil ich abgebrochen habe, andererseits habe ich doch wieder ein paar Erfahrungen gemacht und vieles Schönes gesehen.

Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass es für mich das Beste war aufzuhören, weil es mir einfach zu einsam war, obwohl ich mit Sicherheit weiter gemacht hätte, wenn ich ein richtiges Ziel vor Augen gehabt hätte. Hier war es eigentlich aber "nur" Trier, eine Zwischenetappe auf dem Jakobsweg - für mich nicht wirklich so sehr erstrebenswert. Irgendwie war es merkwürdig, dass viele Menschen, die mir begegneten irgendwie einen Schreck bekamen, wenn man sie grüßte (ist das eine typische Eigenart der Deutschen?). Manchmal konnte ich jemandem, dem ich begegnete (meistens Hundehaltern) ein kurzes Gespräch "aufdrängen", das aber meistens schnell erschöpft war. In Frankreich und Spanien waren Leute, denen ich begegnete viel offener und manchmal auch neugieriger, das hat mir in der Eifel doch ein wenig gefehlt.

Auf der anderen Seite war es - zumindest an den letzten drei Tagen - eine wunderschöne Strecke, die landschaftlich und auch historisch so einiges zu bieten hatte. Vielleicht lässt sich in einem der nächsten Jahre das Reststück mit Begleitung umsetzen. 

Ich habe festgestellt, dass ich trotz meiner etwas lädierten Hüfte Tagesmärsche von durchschnittlich 25 km durchaus schaffen kann. Schmerzen hatte ich eigentlich nur nachts, was sich aber ertragen ließ. Diese Erfahrung bestärkt mich darin, mein bisher etwas vage geplantes Vorhaben für das nächste Jahr umzusetzen: 

Da möchte ich nun tatsächlich im September den Camino del Norte von San Sebastian nach Santiago de Compostela an der Nordküste Spaniens gehen. Ich weiß zwar, dass das eine Herausforderung sein wird, aber der Reiz liegt für mich darin, dass das zum einen einer der ältesten Pilgerwege ist, dass er landschaftlich unheimlich reizvoll ist und dass auch nicht die Massen an Pilgern diesen Weg gehen, wie auf dem Camino Frances, aber immerhin so viele, dass man immer mal wieder Mitpilger trifft, mit denen man auch mal "ratschen" kann. Wenn jemand Lust hat, mit mir gemeinsam den Weg zu gehen, kann es sich gerne bei mit melden (info99(at)hanschoen.de)!


Pilgerstempel meiner "kurzen" Via Coloniensis









Freitag, 28. September 2012

Tag 5: Bad Münstereifel - Blankenheim

Meine Pensionswirtin, Frau Kröger, eine nette alte Dame von etwa 80 Jahren, bereitet mir ein feines und reichhaltiges Frühstück - ich darf mir sogar noch zwei Stullen zum Mitnehmen machen.

Eifellandschaft
Bei blauem Himmel nehme ich die nächste Etappe in Abgriff. Mein heutiges Ziel ist Blankenheim mit einer in einer alten Burg untergebrachten Jugendherberge. Zunächst aber geht es von Bad Münstereifel einmal steil bergauf, so dass ich ein paar Mal Päuschen machen muss. Als ich die Höhe erklommen habe, geht es eiligen Schrittes weiter, den Pilgerwagen im Schlepptau. Der Weg schlängelt sich durch Wäldchen, entlang von Wiesen, teilweise wird die bisherige Anstrengung durch wunderschöne Ausblicke belohnt.  Langsam ziehen wieder dunkle Wolken auf, und ein schneidend kalter, heftiger Wind kommt auf, der mein Fortkommen erschwert. Die Wegstücke durch die Wälder sind absolut einsam, kein Laut ist zu hören, nur das Rascheln der Blätter, das Knarzen der Zweige und ab und zu das Zwitschern von Vögeln.

 Im Wald ist der Weg teilweise sehr schlecht, ich muss zusehen, ohne nasse Füße durchzukommen und mein Pilgerwägelchen unbeschadet aus den Matschlöchern zu bekommen. Mir begegnet außerhalb der Ortschaften kaum eine Menschenseele. ab und zu spreche ich Leute mit Hund an oder unterhalte mich mit einem Bauern, der seinen Kofferraum voll mit Eiern geladen hat. Dann geht es wieder auf lange einsame Streckenabschnitte. 

Ahekapelle Engelgau
Rund 8 Kilometer vor meinem heutigen Ziel sehe ich direkt neben der Straße eine kleine Kapelle, die Ahekapelle Engelgau, wunderhübsch gelegen. und was das Beste ist: Es liegt sogar ein Stempel aus, mit dem man seinen Pilgerausweis selbst stempeln darf (der Stempel ist aber mit einer Kette gesichert, sonst könnte ihn ein frommer Pilger stehlen!). Hier mache ich eine längere Rast und sinniere, ob mir diese Wanderung das gibt, was ich mir erwartet habe. Ich komme zu dem Schluss, dass es vom Weg und von der Landschaft her wirklich viel Spaß macht, dass mir aber die nötige Kommunikation fehlt. Ich brauche einfach jemanden, mit dem ich mich austauschen kann! Anders ausgedrückt: Ich fühle mich einsam. Andere Pilger habe ich nicht getroffen. Ich denke, dass das ein gravierender Unterschied zum Pilgern in Spanien ist, wo man sich manchmal die Einsamkeit suchen muss.

Ahrquelle
Noch 8 Kilometer entlang von fast schnurgerade verlaufenden Waldwegen, und ich habe die Jugendherberge erreicht. Ich mache mich stadtfein, besichtige das kleine Städtchen und die Ahrquelle, die hier entspringt, aber relativ unspektakulär ist. Ich esse bei einem Chinesen mein Abendmenü und steige anschließend wieder zur Burg hinauf.



Stadtansicht Blankenheim - oben die Jugendherberge

Für diejenigen, die meinem Blog bisher gefolgt sind, muss ich nun ein Geständnis machen und sie gegebenenfalls enttäuschen: Bei den Überlegungen an der Ahekapelle habe ich mich entschieden, meine Pilgerfahrt nach nur  90 Kilometern abzubrechen und morgen mit der Bahn nach Hause zu fahren. Nicht die körperlichen Anstrengungen haben zu diesem Entschluss geführt, sondern die Belastungen aufgrund des fehlenden Miteinanders.

Nachdem es heute nicht geregnet hat, sind nunmehr insgesamt drei Kerzen fällig - wird nun wohl nicht in Trier sein, aber ich werde die drei Kerzen bestimmt anzünden!

Donnerstag, 27. September 2012

Tag 4: Euskirchen - Bad Münstereifel


Letzte Nacht habe ich relativ schlecht geschlafen. Immer wieder flehte mich Irgendein Körperteil an: „Dreh Dich um, entlaste mich, kannst Du nicht auf der anderen Seite liegen?" Nachdem ich mich also wunschgemäß immer mal wieder anders hingelegt habe, klingelt glücklicherweise um 8:30 Uhr der Wecker. Ich packe alles zusammen und gehe zum Frühstück. Im Gegensatz zur Unterbringung im letzten Zimmer des Hotels (war nicht besonders gemütlich, der Portier meinte auch, das wäre die Abstellkammer) ist das Frühstück 1a! Bevor ich abmarschiere, massiere ich meine Füße mit Hirschtalgcreme ein. Meine Hüfte sagt mir: Alles in Ordnung, Du kannst heute ordentlich laufen“. Meine rechte Wade mault dagegen: „Können wir nicht mal einen Tag Pause machen?“ Das lehne ich ab, und ich marschiere los. 

Kirche St. Martin in Euskirchen
Im Pfarrbüro von Euskirchen bekomme ich endlich mal wieder einen Stempel für meinen Pilgerausweis. Meine Frage, ob die Kirche geöffnet sei, wird bejaht. Als ich aber an der Pforte ziehe, rührt sie sich keinen Millimeter. Also ziehe ich ohne Kirchenbesichtigung aus Euskirchen aus. Dabei ist die erste halbe Stunde geprägt von kleinen Industrieansiedlungen, dem Blick auf eine noch funktionierende Zuckerfabrik mit ihrem weißen Dampf ausstoßenden Schornstein und etliche Industriebrachen. Dann wird es wieder ländlich. Ich durchquere Stotzheim, Arloff und Iversheim. Nachdem es morgens, bevor ich  losgegangen bin, noch einmal geregnet hat, ist heute meistens blauer Himmel zu sehen. Ab und zu zieht eine schwarzgraue Wolke auf, aus der es leicht nieselt, aber nicht so viel, dass das Regenzeug angezogen werden muss. Ich bin heute großzügig: dafür gibt es eine Kerze!

Hardtburg
Hinter Stotzheim komme ich an der Hardtburg vorbei. Sie wird von etlichen Schulklassen umschwärmt, die hier offensichtlich heimatkundlichen Unterricht haben. Die Wasserburg entstand wahrscheinlich im 11. Jahrhundert und ist sehr sehenswert. In Arloff ist ein kleine Kapelle, die Hubertuskapelle, ganz interessant, sie stammt aus dem 14. Jahrhundert. Der Weg wird langsam auch etwas hügeliger, so dass es ab und an auch bergauf oder bergab geht. Im Übrigen: Bis hierher hätte ich die Via Coloniensis auch noch mit dem Liegerad geschafft, weil alles doch relativ eben ist.

Hubertuskapelle
Unterwegs stelle ich fest, dass das Aluminiumrohr, mit dem die Deichsel mit dem Pilgerwagen verbunden ist, erneut total verbogen ist. Also überlege ich mir, was ich tun kann. Da fällt mir ein, dass ich einen Ast entsprechend zuschneiden könnte, dass er das Alu-Röhrchen passgenau ersetzt. Eie halbe Stunde bearbeitete ich mit meinem schönen Messer, das ich von den Kollegen der Landesfeuerwehrschule zum Abschied bekommen habe, den Ast, bis er passend ist. Im Moment eine perfekte Lösung – mal sehen, wie lange sie hält.

Kurz vor Bad Münstereifel mündet der von Bonn kommende Jakobsweg auf meinen Weg ein. Ich durchquere das reizende Städtchen und gelange auch bald zu der von mir gestern vorgebuchten Pension. Eine reizende ältere Dame begrüßt mich. Der Preis für Unterkunft und Frühstück beträgt 24 €. Ich darf mein Zelt, das immer noch klitschnass ist, auf der Terrasse zum Trocknen aufstellen
Blick über Bad Münstereifel
Ich gehe nochmals zurück nach Bad Münstereifel, hole mir im Pfarramt den Stempel für meinen Pilgerausweis. Anschließend ist Sightseeing angesagt. Insbesondere die Kirche „St. Chrysantus und Daria“ ist wirklich sehenswert. Es macht Spaß, das nette Städtchen anzuschauen und dabei auch ein paar Sonnenstrahlen und blauen Himmel zu genießen. In einem Lebensmittelladen kaufe ich mir ein wenig für eine abendliche Brotzeit ein. Das Zelt ist inzwischen trocken!  Prima.

Für Morgen habe ich in Blankenheim in der Jugendherberge ein Zimmer vorgebucht. Mir wird versprochen, dass ich das Mehrbettzimmer allein für mich habe.

Kerzensaldo für den 4. Tag: 2 Kerzen




Mittwoch, 26. September 2012

Tag 3: Brühl - Euskirchen


Nachdem ich gestern schon um kurz nach 20:00 Uhr mein Haupt auf das neu erstandene aufblasbare Kopfkissen gebettet habe und auch relativ schnell eingeschlafen bin, werde ich kurz nach Mitternacht das erste Mal wach: Es regnet Bindfäden, aber mein Zelt hält den Regengüssen stand. Schließlich stehe ich gegen 8:00 Uhr auf und packe, nachdem ich innerhalb des Zeltes alles was nur ging in den Rucksack verpackt habe, als letztes das triefend nasse Zelt zusammen. Ich habe mir den Regenponcho angezogen, der zwar das Wasser von außen abhält, aber innerhalb ein tropisches Klima entwickelt. 

Brühl: Schloss Augustusburg
Gegen 9:00 Uhr bin ich nach einem Fußmarsch von rund 2 km in der „City“ von Brühl, esse zwei belegte Brötchen zu einem prima Kaffee und gehe anschließend zur Außen-Besichtigung von Schloss Augustusburg. Danach beginnt die weitere Pilgerschaft, und ich spule Kilometer um Kilometer ab. Ab 11:00 Uhr hört der Regen auf, und ich ziehe mich zur Belustigung mehrerer Kinder auf einem öffentlichen Platz um. Der Regenponcho ist von außen weniger nass als von innen! Ich benutze nun zum ersten Mal auch das „Zuggeschirr“, das ich mir extra zum Ziehen des Pilgerwagens angefertigt habe. Das  funktioniert wirklich hervorragend, und ich habe nun beide Arme frei.

Walberberg: Hexenturm
In Walberberg schaue ich mir die Kirche an und stoße dann auf den sogenannten Hexenturm, der aus der zweiten Hälfte des 12. JH stammt. Leider gelingt es mir heute nirgendwo einen Stempel für den Pilgerausweis zu bekommen, da die Pfarrbüros heute aus irgendwelchen Gründen alle geschlossen haben. Hinter Walberberg laufe ich etliche Kilometer durch tiefen stillen Wald. Das macht Spaß – keine Autos und kein Lärm. Gelegentlich begegnet mir ein Jogger oder ein Hund mit Besitzer. Mit denen ergibt sich hin und wieder auch ein kleines Pläuschchen. 

Swister Turm
Am Ende des Waldes stehe ich dann vor dem Swister Turm. Dieser Turm ist der Rest einer ehemaligen Pilgerkirche und gleichzeitig Wahrzeichen der Stadt Weilerswist. Ich besichtige kurz die Kirche St. Mauritius – einen Stempel gibt es wieder nicht.




Erft
Hinter Weilerswist verläuft der Pilgerweg an der Erft, die mich noch bis Bad Münstereifel begleiten soll. Laut meinem Outdoor-Pilgerführer ist die Erft heute eher ein Abwasserkanal. Man ist allerdings bestrebt, den Fluss zu renaturieren. Mir begegnen viele Hundebesitzer, die offensichtlich für ihre Vierbeiner den Erftweg zur "Gassi-Gehen" benutzen. Ab und zu entwickelt sich sogar ein Gespräch. Andere Pilger oder Wanderer habe ich bis heute nicht gesehen.

Nach rund 23 km versuche ich in Hausweiler ein Zimmer zu bekommen. Eine unfreundliche – der Stimme nach alte - Dame erklärt mir, dass das Zimmer 40€ kosten soll. Selbstverständlich ohne Frühstück, sie sei schließlich krank, ich soll zufrieden sein, überhaupt ein Zimmer zu bekommen, denn eigentlich hätte sie geschlossen. Bei so viel gutem Willen dieser Hotelbesitzerin entschließe ich mich das Angebot abzulehnen und buche telefonisch für 50 € ein Hotel in Euskirchen (mit Frühstück). Das bedeutet aber nochmals 7,5 Kilometer in Angriff zu nehmen. Kurz nach 17:00Uhr checke ich in Euskirchen im Hotel ein. Mir tun nach  insgesamt 31 Kilometern alle Knochen weh. Die Hüfte fragt mich, ob das nun immer so sein wird.  Meine Schultern sind total verspannt, und die Wäsche muss gewaschen werden. Nach einer langanhaltenden heißen Dusche mache ich Waschtag. Anschließend gehe ich essen  - ich schaffe nur die halbe Portion (ich glaube, ich werde alt).

Heute habe ich insgesamt schon 52 km geschafft. Eine Kerze gibt es für den heutigen Tag wegen Regens nicht!

Für Morgen habe ich, nachdem die Jugendherberge dort voll belegt ist, in Bad Münstereifel in einer Pension vorgebucht. 


Dienstag, 25. September 2012

Tag 2: Köln - Brühl


Heute ist der erste Wandertag. Und ich habe nur 20,5 Kilometer zurückgelegt. Nicht etwa, weil ich erschöpft bin – nein, der Grund liegt darin, dass es hier in Brühl und Umgebung nur relativ teure Hotels ab 50€ aufwärts für eine Nacht gibt und andererseits hier ein Campingplatz vorhanden ist, auf dem ich für unter 10€ übernachten kann. Der Campingplatz liegt am Heider Bergsee, etwas außerhalb der Ortschaft direkt bei der Bundesfinanzakademie. Dort gibt es sogar ein „Steuer-Museum“ (was es nicht alles gibt!).

Die Nacht in der Jugendherberge Köln-Deutz war alles andere als erfreulich: Kinder und Jugendliche alberten bis spät in der Nacht auf den Fluren herum. Ich bekam noch zwei Zimmernachbarn, von denen der eine um 22:00 Uhr auftauchte, der andere um Mitternacht. Der letztere war sogar zu faul, seine Betten zu beziehen und schlief ohne Bettwäsche – ob es dem vor gar nichts graust? 

Pilgerweg am Kölner Dom
Römerkanal - römische Wasserleitung nach Colonia
Gegen 8:00 Uhr bin ich beim Frühstück, anschließend packe ich meine Siebensachen zusammen und stelle fest, dass der Regenschutz gar nicht orange, sondern leuchtgelb ist – ist auch gut! ;-)  Der Rucksack passt perfekt auf mein kleines Pilgerwägelchen. Um 9:00 Uhr heißt es dann: Abmarsch! Ich überquere die Hohenzollernbrücke und folge dem Pilgerweg ab dem Dom. Er ist ganz gut gekennzeichnet – häufig finden sich neben dem offiziellen Symbol auch gelb/blaue Markierungen, die mit Pinsel aufgetragen worden sind. Vielfach ist die Jakobsmuschel „freihand“ gekünstlert. Nachdem ich die City hinter mir gelassen habe geht es auf mehr oder weniger schönen Wegen aus Köln heraus. Teilweise führt der Weg aber auch durch Parks. Der Outdoor-Pilgerführer schlägt sogar vor „wenn Sie die 4 km an dieser unspektakulären Hauptstraße nicht laufen wollen, fahren Sie mit der Linie18 bis…“. So etwas tut ein richtiger Pilger natürlich nicht ;-). Der Jakobsweg führt schließlich parallel zum Römerkanalwanderweg (diente zu römischen Zeiten der Wasserversorgung von Colonia aus der Eifel.)

mein Pilgerwagen
Bei einem Lidl-Markt kaufe ich ein paar Flaschen Wasser – das hat mir doch ein bisschen gefehlt. Ich freue mich, dass ich mein Gepäck auf dem Pilgerwagen nicht spüre, er lässt sich wunderbar leicht ziehen bis….  Ja, plötzlich ist es aus mit dem leichten Ziehen, da das Verbindungsstück zwischen Deichsel und Wagen gebrochen ist. (Glatte Fehlkonstruktion von mir, es waren dort ein paar Bohrungen zu viel, so dass das Material zu stark geschwächt war. So etwas kann auch nur einem Maschinenbau Dipl.-Ing. passieren ;-). Nach kurzem Überlegen finde ich eine Notlösung mit den Resten des Verbindungsstückes, die halbwegs stabil aussieht.

Im Weilerhof (kurz vor Brühl), einer kleinen Privatbrauerei, will ich Rast einlegen und – wie im Pilgerführer empfohlen – ein Bierchen trinken. Leider haben die dort Mittagspause, so dass ich unverrichteter Dinge weiterziehen muss. Ich passiere den Kierberger Bahnhof, auch Kaiserbahnhof genannt. Er ist angeblich einer der schönsten Bahnhöfe Deutschlands, der extra für Kaiser Wilhelm I. gebaut wurde, da dieser oft im Schloss Augustusburg in Brühl übernachtete. Heute ist das Bahnhofsgebäude Hotel und Gaststätte.

Leider ist die Beschreibung des Weges zum Campingplatz im Pilgerführer auch mehr als dürftig, d.h. sie ist schlichtweg falsch, so dass ich einen Umweg von etwa einem Kilometer laufe. Am Campingplatz angekommen, gönne ich mir erst einmal einen schönen Cappuccino, bevor ich mich einchecke und anschließend direkt am See mein Zelt aufbaue.
Mein Zelt auf dem Campingplatz Heider Bergsee




Nachdem ich trotz ein paar Tröpfchen Regen eigentlich nicht nass geworden bin, werte ich den Tag als regenfrei, so dass die erste Kerze fällig wird.

Montag, 24. September 2012

Tag 1: Köln


Heute beginnt meine Wanderung auf der Via Coloniensis - und offensichtlich auch der Herbst.

In der vergangenen Woche hatten wir - wie alle zwei Jahre - eine gemeinsame Wanderwoche mit zwei befreundeten Ehepaaren, dieses Mal im Odenwald und im Spessart in der Nähe von Miltenberg am Main. Im Hotel/Gasthof Ohrnbachtal waren wir hervorragend untergebracht und wurden mit köstlichen Speisen verwöhnt. Auch wenn es dort direkt keinen Handyempfang gibt (man muss dazu ein paar Meter bergan laufen - ähnlich wie im Film "Pilgern auf Französisch", wo alle mit dem Handy in der Hand um einen Baum laufen) ist der Gasthof sehr zu empfehlen. Bei fünf Wanderungen legten wir insgesamt 80 Kilometer zurück. Soviel zur Vorgeschichte.


Kölner Dom und Hohenzollern-Brücke
Für den Heimweg machen wir einen kleinen Umweg über Köln, wo mich Christl bei der Jugendherberge in Köln-Deutz aussteigen lässt und dann weiter gemeinsam mit Timmi nach Hause nach Kiel fährt. Nachdem ich in der Jugendherberge eingecheckt und 28.-€ für Unterkunft und Frühstück bezahlt habe (12:00 Uhr mittags) wird mir mitgeteilt, dass das  (Mehrbett-)Zimmer erst in etwa einer Stunde frei wird. Ich gehe deshalb über die Hohenzollernbrücke (das ist die mit den vielen Liebes-Vorhängeschlössern) in die City und kaufe mir bei Globetrotter eine Regenschutzhülle für meinen Rucksack. Ich könnte zwar auch einen Müllbeutel für diesen Zweck benutzen, aber eine richtig schöne orange Regenschutzhülle erscheint mir als etwas "professioneller". 

"Liebes-Schlösser" an der Hohenzollern-Brücke
Der nächste Weg geht in den Dom, wo ich mir auch meinen ersten Pilgerstempel für die Via Coloniensis hole. Bei einem Bäcker genehmige ich mir einen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen. Am Nebentisch sitzt eine Frau, die plötzlich ein Gespräch mit mir beginnt. Sie ist Amerikanerin und die letzte Nacht von Floriada nach Berlin und von da aus über ?zwei? weitere Stationen nach Köln geflogen. Es wird mir dann doch etwas unheimlich, als sie anfängt mir ihre Seele auszuschütten, so dass ich das Bäcker-Lokal ziemlich schnell verlasse. Anschließend geht es zurück zur Jugendherberge, wo ich mein Zimmer (und die Bettwäsche) beziehe. 


Jakobus am Portal des Kölner Domes
Da es draußen ab und zu in Strömen gießt, ziehe ich mir meine Regenjacke über. Es stürmt ziemlich stark und Äste fallen auf die Straße. Irgendwie ist gefühlsmäßig heute der erste Herbsttag. Mein Weg führt mich zunächst zum Dombüro, wo ich mir den kleinen Führer "Jakobsspuren in Köln" geben lasse und einen Cappuccino trinke. Selbstverständlich folge ich diesen Spuren dann mehrere Kilometer, wobei der Frust immer dann aufkommt, wenn man diese Spuren nicht sehen kann, weil die Kirche oder das Kloster geschlossen haben oder die Spur sich in einem nicht zugänglichen Bereich befindet. Leider bekommt mir das "Pflastertreten" mit meinen Halbschuhen nicht so gut, so dass ich es gegen 17:00 Uhr aufgebe, den Jakobus-Spuren zu folgen. Allenthalben begegnet man Bettlern, die meist mit "Hunde-Partnern" auf die Tränendrüsen der Leute drücken. Mir tun eigentlich nur die Hunde leid, dass sie in solch einem Rudel leben müssen.

Zurück auf der anderen Rheinseite suche ich mir in Köln-Deutz einen Platz bei einem Mexikaner, wo ich mein Abendessen bekomme. (Hat gut geschmeckt: Spare-Ribs!)

Morgen werde ich die ersten Kilometer von insgesamt 268 Kilometern (laut Outdoor-Wanderführer) in Angriff nehmen. Hoffentlich bleibt es einigermaßen trocken! Ich habe mir vorgenommen, für jeden regenfreien Tag eine Kerze im Trierer Dom zu stiften.




Samstag, 25. August 2012

Vorwort



Ich werde ihn nun gehen: den Jakobsweg - auf der Via Coloniensis von Köln nach Trier.

Sicher - es ist nur ein kleines Stück, aber dies ist der Teil, den ich auf meiner letztjährigen Pilgerfahrt mit dem Liegerad von Kiel nach Santiago de Compostella ausgelassen habe, weil ich mir die Steigungen über die Eifel ersparen wollte und den Weg entlang an Rhein und Mosel nach Trier genommen habe. Bekanntlich ist zwar jeder Weg, den man von Zuhause nach Santiago nimmt, ein Jakobsweg, aber mir fehlt irgendetwas, wenn ich nicht die Via Coloniensis gesehen habe. Und es fehlt etwas, wenn ich nicht - zumindest ein Stück - auch einmal zu Fuß gepilgert bin. Also werde ich mich ab dem 24. September ab Köln auf den Weg machen. Ich schätze, dass ich insgesamt etwa 10 Tage für die Strecke benötigen werde.

Via Coloniensis (Quelle der Karte: Garmin Trip and Waypoint Manager v5)
Bis dahin gilt es noch einige Vorbereitungen zu treffen: Nachdem ich Probleme mit meiner Hüfte habe, habe ich mir vorgenommen, mein Gepäck nicht zu tragen, sondern es mittels meines "Pilgerwagens" zu transportieren. Den Bauplan hierfür habe ich von Achim erhalten. Der Wagen ist fertig, muss aber noch ein wenig optimimiert werden. Ich denke, dass die Benutzung solch eines Gefährts die Gelenke doch ganz schön entlastet. Weiter muss ich mir noch ein paar Gedanken über die notwendige Ausrüstung machen. Es heißt zwar immer, dass  der Rucksack möglichst Gewicht sparend gepackt werden soll. Ich glaube aber, dass ich aufgrund der Nutzung des Pilgerwagens in dieser  Hinsicht  etwas großzügiger sein darf. Ich habe vor, mein Vaude-Leichtgewichtszelt, meinen Schlafsack und meine Isomatte mitzunehmen, da es nicht viele preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten auf der Strecke gibt.

Ich freue mich auf diese Pilgerreise zu Fuß - vielleicht wird sie Anreiz zu "mehr" sein.